Überblick
Anstellungsmodelle
So wird man Pflegemutter/Pflegevater
Erfahrungsbericht
Veranstaltungen
Fortbildungen

Überblick

Im Auftrag der Stadt Wien ist Eltern für Kinder Österreich seit 1996 Dienstgeber für Pflegeeltern, deren Zahl erfreulicherweise Jahr für Jahr steigt. Waren es im Pilotprojekt noch knapp 20 Personen, sind es aktuell bereits über 400.

442 angestellte Pflegeeltern (Stand: 31.12.2018), davon sind: 

  • 366 Personen Langzeitpflegemütter,
  • 45 Langzeitpflegeväter und
  • 31 Krisenpflegemütter

Bei diesen Pflegeeltern leben 594 Pflegekinder.

Diese Anstellung bietet Pflegeeltern eine arbeits- und sozialrechtliche Absicherung (Kranken- und Unfallversicherung, 13. und 14. Gehalt, Erwerb von Pensionsjahren, …).

Die Aufgaben von Pflegeeltern sind neben der Pflege und Erziehung der Kinder, die Pflegeeltern nach wie vor ehrenamtlich für unsere Gemeinschaft leisten, sogenannte sozialpädagogische Mehrleistungen, wie der regelmäßige Besuch einer Supervisionsgruppe und das Absolvieren von Weiterbildungsseminaren, Arzttermine und Besuche mit dem Kind bei Therapeuten, Amtswege und Gerichtstermine u.v.m.

Neu haben im Jahr 2018 80 Personen die Anstellung als Pflegemutter bzw. Pflegevater gewählt und 29 ihre Anstellung beendet.

 

Anstellungsmodelle

Krisenpflege-Anstellung

Krisenpflegeeltern versorgen sehr junge Kinder, meist noch Babys, für einen befristeten Zeitraum. Sie sind Expert*innen im Umgang mit Kindern in schwierigen Situationen und geben ihnen Halt und Sicherheit. Nach etwa sechs bis acht Wochen kehren diese Kinder zu ihren leiblichen Eltern zurück oder werden in eine Pflegefamilie aufgenommen. Wenn es die Situation erfordert, bleiben Krisenpflegekinder manchmal auch länger bei ihren Krisenpflegeeltern.

Um diesen Pflegeeltern stabilere Rahmenbedingungen zu bieten und um weitere Krisenpflegeeltern zu finden, wurde ein zusätzliches Anstellungsmodell für Krisenpflegeeltern entwickelt. Dieses bietet eine kontinuierliche Anstellung mit einem durchschnittlichen Monatsgehalt von zur Zeit 1.365 Euro brutto.

Befristete Langzeitpflege-Anstellung

In ähnlicher Form neu geregelt wurde die Anstellung von Langzeitpflegeeltern, die Kinder ab dem dritten Geburtstag aufnehmen, da es in diesem Alter der Kinder keinen bezahlten Karenzanspruch mehr gibt. Die Eingewöhnung älterer Kinder in Pflegefamilien erfordert oft eine besondere Betreuungsintensität, sodass eine vorübergehende Unterbrechung der Berufstätigkeit unter Umständen notwendig ist.

Das neue Anstellungsmodell bietet für max. ein halbes Jahr ein monatliches Gehalt von zur Zeit 1.365 Euro brutto, um es den Pflegeeltern zu ermöglichen, eine unbezahlte Karenz von ihrer regulären Arbeit zu nehmen.

 

So wird man Pflegemutter/Pflegevater

Was Pflegeltern auf jeden Fall mitbringen müssen, ist Freude am Zusammenleben mit Kindern. Aufgrund ihrer jeweiligen Geschichte haben diese Kinder oft große Defizite. Deshalb muss die Pflegefamilie viel Verständnis, Zuneigung und Geduld aufbringen.

Um Pflegemama oder Pflegepapa zu werden, braucht man eine Bewilligung der MAG ELF. Dafür müssen persönliche, soziale, gesundheitliche und wirtschaftliche Bedingungen erfüllt sein. Pflegeeltern müssen keine pädagogische Ausbildung haben. Menschen in unterschiedlichsten Lebensformen werden gebraucht, egal ob alleinstehend, in Partnerschaft lebend, verheiratet, mit Kindern, ohne Kinder.

Anders als bei der Adoption behalten die leiblichen Eltern bestimmte Rechte und Pflichten. Die Eltern können und sollen – wenn nichts dagegen spricht – die persönlichen Kontakte zu ihrem leiblichen Kind aufrechterhalten.

Ein erfahrener Pflegepapa meint einmal zu dem Thema Besuchtskontakte zu den leiblichen Eltern: „Ich werbe gerne für eine gute Balance zwischen leiblichen Eltern und Pflegeeltern, weil es für die Kinder wichtig ist, ihre Wurzeln zu kennen.“

 

Erfahrungsbericht

Krisenpflegeeltern geben mehr als ein Bett

Bericht der Krisenpflegemutter Sabine Ivankovits

Statt dem Wecker holt mich im Moment Babygeschrei aus dem Schlaf, und das auch mitten in der Nacht. Denn wenn Emma*) Hunger hat, dann muss es schnell gehen. Und Emma hat oft Hunger. Das hat das Neugeborene mit vielen „meiner“ Kinder gemeinsam. Gemeinsam haben meine Krisenpflegekinder auch, dass sie kommen und gehen. Denn ich bin Krisenpflegemama, seit etwa einem dreiviertel Jahr. In dieser Zeit habe ich bereits sieben Kinder im Alter zwischen null und drei Jahren betreut. Das ist das Alter, in dem Kinder zu uns Krisenpflegeeltern kommen, wenn sie nicht bei den leiblichen Eltern bleiben können. Idealerweise bleiben sie etwa acht Wochen bei uns. In dieser Zeit wird abgeklärt, ob sich die Situation zuhause geändert hat und sie wieder heim zu Mama und Papa dürfen, oder ob sie zu Langzeit-Pflegeeltern kommen.

Den Wunsch, ein Pflegekind aufzunehmen, hatte ich schon länger. Aber als Alleinerzieherin zweier (mittlerweile erwachsener) Töchter hatte ich diesen Wunsch immer wieder beiseite geschoben. Ich hätte mich einem Pflegekind mehr widmen wollen, als ich es als Alleinverdienerin mit Fulltimejob hätte tun können. Als ich dann aber Ende 2017 davon hörte, dass es für Krisenpflegeeltern die Möglichkeit einer Vollanstellung gibt, stand mein Entschluss sehr schnell fest: Ich werde Krisenpflegemutter! Gesagt, getan: Seit 15. Juli 2018 arbeite ich als Krisenpflegemama und bin bei EFKÖ angestellt.

Mama auf Zeit

Krisenpflegemama zu sein bedeutet, einem Kind auf Zeit alles zu geben, was es benötigt, und vielleicht noch ein bisschen mehr. Von meinen Kolleginnen, ihren Familien und mir bekommen diese Kinder Liebe, Aufmerksamkeit, Geborgenheit sowie Nahrung, Alltag und Struktur. Wir umsorgen sie, wir spielen und blödeln miteinander, wir stellen ihre medizinische Versorgung sicher, wir fördern sie und lassen abklären, wie wir sie – etwa mit Therapien – noch besser unterstützen können. Wir fahren eventuell mit ihnen auf Urlaub, besuchen regelmäßig mit ihnen ihre Eltern am RAP (Referat für Pflege- und Adoptiveltern). Wir nehmen auch an Fortbildungen teil, um bestens gerüstet und auf dem neuesten Stand zu sein, tauschen uns in Gruppen und Supervisionen aus, schreiben Berichte und und und  … .

Kein Job, sondern eine Berufung

Als Krisenpflegemama zu arbeiten ist kein Job, sondern es ist eine Berufung, eine Lebenseinstellung. Denn wir können nicht wie in jedem anderen Beruf am Abend die Arbeit zur Seite legen, am Wochenende abschalten oder mal einfach so ein paar Tage wegfahren. Aber das macht nichts, wir machen es gerne, denn wir fühlen uns berufen. Auch, wenn es uns manchmal doch auch unnötig schwer gemacht wird wie z.B., wenn wir als Krisenpflegeeltern erst nach 91 Betreuungstagen das Kinderbetreuungsgeld bekommen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich werde in meiner Arbeit von meinen beiden erwachsenen Töchtern Chiara (24) und Benita (29) unterstützt. Zugegeben, sie helfen mir vielleicht nicht immer ganz uneigennützig, sie bekommen ihre Zeit auch immer wieder finanziell abgegolten. Denn ihre Unterstützung ist wertvoll und wichtig. Besonders freut es mich, dass vor allem meine jüngere Tochter Chiara von meiner Arbeit sehr angetan ist. Sie hat beschlossen „Soziale Arbeit“ zu studieren, um danach ebenfalls mit Kindern zu arbeiten.

Genauso wie ich verlieben sich auch meine Töchter immer wieder in meine Krisenpflegekinder. Die eineinhalbjährige Sarah, die im Moment neben Emma bei uns lebt, ist Chiara wieder einmal besonders ans Herz gewachsen. Am liebsten würde sie sie selbst adoptieren. Das aber nicht möglich ist, wie sie weiß. Auch wenn der Abschied von den Kindern schwerfällt, freuen wir uns alle, wenn wir wissen, dass es den Kindern in Zukunft gut gehen wird, sie gut untergebracht werden, es ihnen weder an Liebe noch an anderen Dingen mangeln wird.

Sarah muss vielleicht ins Ausland, da sie keine österreichische Staatsbürgerin ist. Das schmerzt uns jetzt schon, weil wir nicht wissen, was sie dort erwarten wird. Österreichische Pflegeeltern lernen wir ja vor der Übergabe kennen. Wir hoffen auf eine gute Lösung, denn sie hat das Beste verdient. So wie alle anderen Kinder, die von uns „Eltern auf Zeit“ betreut werden. Denn sie haben in ihrem kurzen Leben schon genug mitgemacht.

*) Namen der Kinder geändert

 

Veranstaltungen

Pflegeelternbrunch im Wiener Rathaus

Als Dankeschön der Stadt Wien an die Wiener Pflegeeltern gab es wieder eine Einladung von Herrn Stadtrat Jürgen Czernohorszky: Am 15. September folgten ihr wieder viele Pflegefamilien und kamen in das Wiener Rathaus zum gemeinsamen Brunch, zum Spielen und Plaudern.

Wir waren auch heuer wieder mit einem Informationsstand vertreten, zudem konnten wir diesmal auch eine Bastelstation anbieten. Während die Kinder ihre Kunstwerke erzeugten, führten wir viele interessante Gespräche mit deren Pflegeeltern und beantworteten so manche Frage, speziell auch zum Thema „Anstellung“. Es gab wieder ein exzellentes Buffet, viele Spielstationen und musikalische Unterhaltung.

Jugendstadtrat Jürgen Czernohorszky:

„Pflegeeltern leisten eine gesellschaftlich enorm wichtige Arbeit. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil der Wiener Kinder- und Jugendhilfe. Ich danke allen Pflegemamas und -papas für ihren unermüdlichen Einsatz. Derzeit betreuen ca. 700 Pflegefamilien und 45 Krisenpflegeeltern rund 1.500 Kinder. Diese Form der Unterbringung für Kinder aus schwierigen familiären Situationen hat sich in Wien seit Jahren sehr bewährt. Denn hier bekommen die Kinder eine liebevolle Ersatzfamilie, die sie stützt und betreut und für eine längere Zeit die Aufgaben der leiblichen Eltern übernimmt.“

„Schneewittchen rettet Weihnachten“ – der Weihnachtsball in der Wiener Hofburg

Am Nachmittag des 12. Dezember 2018 feierten rund 1.000 Kinder (darunter auch diesmal wieder zahlreiche Pflegekinder), Prominente und Sponsor*innen ein fulminantes Fest beim neunten „Energy for Life“-Weihnachtsball für Kinder in der Wiener Hofburg.

Eine zauberhafte Geschichte spannte sich um das diesjährige Motto: „Schneewittchen rettet Weihnachten“, eine Adaption des Märchens, das Creative Director Gernot Kranner mit zahlreichen bekannten Bühnenstars wie Conny Mooswalder, Kristina Sprenger, Andreas Lichtenberger, Reinwald Kranner u.a. auf die Bühne brachte.

Den krönenden Abschluss bildete eine Überraschungsperformance von Sandra Pires und Nazideh Aylin, die „Stille Nacht“ zum Besten gaben, das im Jahr 2018 sein 200-jähriges Jubiläum feierte. Für Begeisterung sorgten darüber hinaus Performances der Ballettschule der Wiener Staatsoper, der Tanzschule Elmayer, des Vaganova Ballett aus St. Petersburg, des Mädchenchors der Wiener Sängerknaben, der Magic Acrobatics, des Kiddy Contest Gewinners Josef, der Spieler der Austria Wien, und anderer.

 

Fortbildungen für Pflegeeltern

Familie für das Kind werden – eine Gestaltungsleistung von Pflege- und Adoptivfamilien

Artikel zu den beiden Seminaren im Februar von Dr. Hermann Scheuerer-Englisch

Während bei leiblicher Elternschaft die Familie eine natürliche Gruppe bildet und das Kind durch das Hineingeborenwerden automatisch dazu gehört, ist die Pflege- oder auch Adoptivfamilie für das Kind zunächst ein fremder, neuer Ort.1) Auch das Kind ist für die Pflegeeltern und die anderen Kinder zunächst ein neues Familienmitglied, welches erst in die Familie hineinwachsen muss. Dieser Prozess des Kennenlernens ist umso spannender und manchmal überraschender, je älter das Kind beim Wechsel ist und je mehr Vorerfahrungen es bereits mitbringt.

Häufig kommt das Pflegekind aus einer wenig unterstützenden und wenig feinfühligen Umgebung in der Herkunfts-familie, in der es gelernt hat, mit eigenen „Überlebensstrategien“ durchzukommen und sich nur auf sich selbst zu verlassen. Es trifft dann in der Pflegefamilie auf eine wohl geordnete Umgebung, in der es genug zu essen bekommt, fürsorglich versorgt wird, gefördert und gefordert wird und in der es verlässliche Strukturen gibt. Dafür wird aber in der Regel auch erwartet, dass es sich wie ein Kind verhält, sich umsorgen lässt und Erwachsene als Personen akzeptiert, die Regeln vorgeben. Aus der Bindungsforschung wissen wir, dass dies nicht einfach so funktioniert, da das Kind zunächst seine alten Beziehungsmuster anwendet und der Bindungsaufbau Zeit braucht.

Obwohl der Alltag der Pflegefamilie wie der Alltag von anderen Familien auch aussieht, ist dennoch vieles anders, sind Pflegefamilien besondere Familien, die für das Pflegekind erst zur Familie werden müssen und in der es viele Fragen und den Alltag zu bewältigen gibt. Das Handbuch „Pflegekinderhilfe des Deutschen Jugendinstituts“ (Kindler u.a., 2010) gibt neben den Bindungsaspekten beim Beziehungsaufbau wichtige Hinweise, welche Fragen Pflegekinder und Pflegeeltern innerlich beim Wechsel bewegen, und benennt folgerichtig das Leben als Pflegefamilie als „Gestaltungsleistung“ (Helming, in: Kindler u.a., 2010, S. 207ff).

Pflegeeltern sind ja „Wahleltern“, und schon zu Beginn stellt sich also die Frage, wer das Pflegekind und die Pflegefamilie zusammengebracht hat, ob das Kind auch wählen konnte, ob die Pflegeeltern genug Zeit für die Entscheidung hatten. Das Kind gehört dann im Alltag zwar zur Familie, ist aber doch nicht „unser Kind“ – oder irgendwie doch? Die Frage, ob das Kind dauerhaft bleiben wird und die Frage, was das Kind mitgebracht hat und was es neu in der Pflegefamilie gelernt hat, ist ebenfalls ein dauerhafter Begleiter, mit dem es umzugehen gilt. Der Platz des Kindes in der Geschwisterreihe und die Behandlung der Kinder ist ebenfalls ein häufiges Thema.

Das Kind erlebt den Übergang meist sehr eindrücklich und fühlt sich lange als Gast. Es stellt sich die Frage, ob es wirklich zur neuen Familie dazugehört und dazugehören will. Es überlegt, ob es seine Gefühle und Fragen über seine Herkunftsfamilie offen zeigen darf. Die Kinder machen sich manchmal Sorgen über ihre Herkunftseltern oder Geschwister, oder haben die Fantasie oder Sehnsucht, doch bei einem leiblichen Elternteil zu leben, v.a. wenn es Konflikte in der Pflegefamilie gibt. Die Kinder reden aber häufig nicht über all diese Themen. Es sind praktische Fragen zu klären, ob das Kind die neuen Eltern Mama und Papa nennen darf oder soll, oder ob es eine Namensänderung geben soll.

Der Familienbildungsprozess enthält also viele Fragen, ambivalente Gefühle und Unsicherheit bei Entscheidungen – und das bei allen Beteiligten. Was tun und leisten also Pflegeeltern und -kinder bei der Gestaltung der neuen Familie und was kann dabei hilfreich sein?

Das wichtigste scheint angesichts der vielen Fragen und Ambivalenzen die Offenheit der Pflegeeltern für das innere Erleben, die ambivalenten Gefühle, die bangen Fragen des Pflegekindes zu sein. Und deren Bereitschaft nachzufragen, über die eigene Rolle und die eigenen Gefühle nachzudenken und flexibel zu sein, einen „Tanz der Möglichkeiten“ bei der kindlichen Entwicklung zuzulassen. Das bedeutet auch, im Prozess der Hilfe zur Erziehung mit den Fachleuten zu kooperieren.

Daneben aber geschehen von Anfang an viele wichtige Dinge in der Pflegefamilie, die dem Kind zunehmend die Sicherheit geben, gut versorgt zu sein und wieder Vertrauen in Beziehungen aufzubauen: Über Körperpflege und Körperkontakt, über gemeinsames Essen und „Teilen des Trinkglases“ wird die Fremdheit des Körpers überwunden. Alltägliche Abläufe wie Kuscheln, Scherzen, gemeinsam Basteln oder Wandern oder auch Rituale (zu Bett gehen, Kochen, Geburtstagsfeier…) schaffen ein Familiengefühl und Zugehörigkeit. Das Meistern von Missverständnissen, Krisen, Alpträumen etc. und die damit verbundene Beruhigung überbordender kindlicher Gefühle schafft nach und nach auch emotionale Sicherheit. >

Nicht zuletzt ist die Einbindung der Pflegefamilie in die Verwandtschaft mit Großeltern etc. und in größere soziale Netzwerke wie Nachbarschaft, Kindergarten- und Schulgemeinschaft eine große Hilfe für das Pflegekind, seinen Platz zu finden.

Es ist wunderbar, wenn Kinder eine Chance bekommen, in einer neuen Familie unterstützende und lebendige Beziehungserfahrungen zu machen und dabei unterstützt werden, in ihr eigenes Leben mit einem guten Selbstwertgefühl und Kompetenzen zu gehen.

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1)   Dies gilt vor allem bei spät adoptierten Kindern oder Pflegekindern, die ab ca. einem Jahr in die neue Familie kommen. Kinder, die ab Geburt oder kurz danach zu Adoptiv- oder Pflegeeltern kommen, bauen ihre ersten und wesentlichen Bindungen gleich zu diesen auf, und haben deshalb weniger Anpassungsprozesse zu leisten. Im Folgenden wird im Text nur noch von Pflegefamilien gesprochen, aber vieles trifft auch auf Adoptivfamilien zu.

Literatur:
Kindler, H., Helming, E., Meysen, T. & Jurczyk, K. (Hg.)(2010). Handbuch Plfegekinderhilfe. München. Deutsches Jugendinstitut e.V. Das Handbuch kann kostenlos auf der Seite des Dt. Jugendinstitutes (www.dji.de) heruntergeladen werden. Der Autor hat daran mitgeschrieben.

 

Wie kommt der Zornaffe von der Palme? Über den Umgang mit Aggressivität von Kindern

Tagesseminar mit Dagmar Bergermayer

Immer mehr Kindern wird heute starke Ich-Bezogenheit und zunehmende Aggressivität nachgesagt. Vielen fällt es schwer, positive Kontakte zu anderen aufzunehmen, sich in eine Gruppe einzufügen, sich zurückzunehmen und Konflikte konstruktiv auszutragen. Pädagogisches Handeln ist dabei stark auf Harmonisierung ausgelegt, bei der es eher um das Vermeiden von Konflikten als um ein ernsthaftes Sich-Einlassen auf Probleme geht. Aggression ist aber nicht von vornherein dasselbe wie Gewalt. Es bedeutet im Wortsinn „Herangehen“, „Angreifen“ im Sinne von „Berühren“ und beschreibt – nicht nur negative – Antriebsenergie. Aggression zeigt also auch Kampfkraft und Mut, vor allem in schwierigen Lebenssituationen kann sie uns hilfreich sein. Aber: Wer gut miteinander auskommen will, muss lernen, sich zu streiten!

Wie verändern sich die Empathie- und Konfliktlösungs-Fähigkeiten von Kindern im Laufe ihrer Entwicklung? Was sind mögliche Ursachen für übermäßige Aggressivität? Wie viel und welche Art von Führung braucht ein Kind in welchem Alter? Was ist „normal“ im Unterschied zu „pathologischer Aggressivität“? Welcher Erziehungsstil ist hilfreich im Umgang mit schwierigen Kindern oder Gruppensituationen? Welche spielerischen Zugänge gibt es im Sinne der Gewalt-Prävention? Wie gehe ich persönlich mit Aggressivität um und was hilft mir, in schwierigen Situationen ruhig zu bleiben? Diese und weitere Fragen beschäftigen Eltern wie Pädagog*innen.

In diesem Seminar versuchten wir, die oben genannten Fragen alltagspraktisch zu beantworten. Eine spielerische Herangehensweise an das Thema kam bei aller Ernsthaftigkeit dabei nicht zu kurz.

 

Familienwanderungen

Unsere Familienwanderungen erfreuen sich immer großer Beliebtheit. Die Frühjahrswanderung im Mai fand wieder am Halterbach statt, um dort den Lebensraum Bach und seine Bewohner gemeinsam zu erkunden. Dorthin führte uns auch die Sommerwanderung

Im Herbst waren wir auf den Steinhofgründen. Frau Mag.a Eva Bulwa ermutigte die Kinder, sich in der Wiese auf die Suche nach Insekten zu machen. Diese wurden Frau Mag.a Bulwa in der Becherlupe zum Bestimmen gezeigt. Nach einiger Zeit fanden alle auf der bunten Wiese ein gemütliches Plätzchen für die Jause. Verschiedene Materialen aus der Natur wurden zum Tasten auf den Boden gelegt und die Kinder hatten die Möglichkeit, barfuß das Material zu spüren.

Der Winterspaziergang zum Jahresende führte uns wieder in die Steinhofgründe. Wir erforschten den Wald mit allen Sinnen, machten uns auf die Suche nach Bodenbewohnern. Zum Ausklang durfte jedes Kind mit einer Laterne den Weg erleuchten.

 

Familienyoga

Workshop mit Steffi Cech

Oft bleibt wenig Zeit für ein entspanntes Miteinander. Auf spielerische Art erforschten wir gemeinsam mit den Kindern Yoga. Yoga stärkt das Selbstvertrauen – auch bei unseren kleinen Yogis im meist schon stressigen Kindergarten und Schulalltag! Familienyoga fördert die Fantasie und Kreativität eines Kindes, sowie die Grob- und Feinmotorik.

Mittels imaginären Yogareisen auf die Jahreszeit und verschiedene Themen abgestimmt wurden die Kids spielerisch an Yoga herangeführt und erlebten lustige Geschichten inspiriert von Tieren und Natur.

Der Spaß und die Freude an der Bewegung standen im Vordergrund. Lustige Partnerübungen halfen uns, Stabilität und Halt zu erfahren. Durch unsere Bärenmassage fanden wir am Ende gemeinsam zur Entspannung.

 

Cybermobbing und Fake News

Zwei Workshops mit saferinternet.at

Digitale Medien haben längst unseren Alltag erobert – ein Leben ohne Internet, Handy und Tablets ist auch für Erwachsene kaum mehr vorstellbar. Kinder und Jugendliche wachsen mit den digitalen Medien wie selbstverständlich auf. Vielen Eltern fällt es schwer, da noch Schritt zu halten – das führt zu Unsicherheiten.

Cyber-Mobbing (auch „Cyber-Stalking“ oder „Cyber-Bullying“) meint das absichtliche Beleidigen, Bloßstellen, Bedrohen oder Belästigen im Internet oder über das Handy – über einen längeren Zeitraum hinweg. Besonders problematisch: Inhalte verbreiten sich im Internet rasend schnell. Was einmal im Netz veröffentlicht wurde, kann oft nicht mehr gelöscht werden.

Oft sind sich die Täter*innen gar nicht bewusst, wie verletzend ihre Übergriffe für die Opfer eigentlich sind. Manchmal beginnt alles ohne groß nachzudenken aus Langeweile oder „Spaß“. In anderen Fällen werden andere fertig gemacht, um den eigenen Frust oder Ärger abzubauen oder sich „besser“ zu fühlen. Manchmal steckt aber auch tatsächlich die Absicht dahinter, den/die Gemobbte/n auszugrenzen.

Falschmeldungen (auch Fake-News oder „HOAX“) werden oft absichtlich im Internet in Umlauf gebracht. Ihre Bandbreite reicht von harmlosen Scherzmeldungen und Kettenbriefen bis hin zu weniger witzigen Horrormeldungen, hetzerischen Artikeln oder gefakten Fotos (z. B. von schwer misshandelten Tieren oder Kindern). Das Ziel dahinter: möglichst viele Leute narren, erschrecken, verunsichern oder Stimmung gegen eine bestimmte Sache bzw. Bevölkerungsgruppe zu machen.

Falschmeldungen sind zwar keine Erfindung des Internetzeitalters, werden aber in jüngster Zeit zu einem immer größeren Problem. Besonders in Sozialen Netzwerken werden Falschmeldungen oft ungeprüft geteilt und mit nur wenigen Klicks an sehr viele Menschen weiterverbreitet. Diese Dynamik hat großen Einfluss auf das gesellschaftliche Leben – seien es wirtschaftlichen Entwicklungen oder das politischen System –, kann aber unter Umständen auch das Leben einer betroffenen Einzelperson massiv beeinträchtigen. Wahr und falsch im Internet auseinander halten zu können, wird daher für Nutzer*innen immer wichtiger.

 

Familienküche – Planung ist die halbe Mahlzeit

Workshop mit Frau  Mag.a Martina Geiger

„Was gibt es heute zu essen? Wann ist das Essen endlich fertig? Was soll ich heute bloß wieder Kochen? Habe ich alle Zutaten dafür zu Hause, oder muss ich auch noch Einkaufen gehen?“ Diesen lästigen Fragen begegnen wir wohl täglich. In Stresssituationen und bei Zeitmangel trotzdem eine gesunde Mahlzeit auf den Tisch zu zaubern ist wahrlich eine Herausforderung!

Der Workshop sollte Appetit auf gesunde Kost für die ganze Familie machen. Welche Nahrungsmittel und Getränke sollten häufig, und welche nur selten auf dem Speiseplan stehen, um unsere „Lieben“ mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen. Damit es nicht an der Umsetzung scheitert, zeigte Frau Mag.a Martina Geiger den Seminarteilnehmer*innen praxisgeprüfte Ideen, wie Sie mit einer guten Vorausplanung Zeit, Geld und Nerven sparen können. Da alles mit einer guten Vorratshaltung und dem Einkauf beginnt, fokussierte der Workshop auf die gemeinsame Erstellung einer Einkaufsliste sowie eines Wochenspeiseplans.

 

Jede Frau kann sich wehren! Selbstverteidigung für Frauen

Workshop mit Frau  Mag.a Irmengard Hanzal

„Wehr Dich“ ist ein ganzheitliches Selbstverteidigungskonzept, das speziell für die Möglichkeiten und Bedürfnisse von Frauen und Mädchen entwickelt wurde. 

Unter dem Motto „Grenzen setzen“ wird in diesen Selbstverteidigungsseminaren speziell auf die notwendigen Themen wie Gefahrenerkennung, Gefahrenvermeidung, Selbstschutz und Deeskalation eingegangen. Neben ausgesuchten und wirkungsvollen Selbstverteidigungstechniken, die rasch erlernt werden können, bilden sowohl die psychologische Schulung als auch das Durchspielen verschiedenster Szenarien die wesentliche Grundlage für eine adäquate Selbstbehauptung. Durch Förderung des Selbstvertrauens setzen Frauen Maßnahmen für ein selbstbewusstes Auftreten, denn damit wird das Risiko, Opfer einer Gewalttat zu werden, reduziert. Die Kursteilnehmerinnen lernen alle zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen und Hemmschwellen zu überwinden.

Mit Mag.a Irmengard Hanzal hatten unsere Pflegemütter die Möglichkeit, dieses Konzept kennenzulernen und selbst zu probieren. Als ausgebildete Sonder- und Heilpädagogin, diplomierte Wirtschaftstrainerin und systemischer Coach liegt ihr Spezialgebiet in der
psychologischen Aufbereitung der Themen Selbstverteidigung, Selbstbehauptung und Kampfverhalten.

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