In Österreich gibt es viel mehr Paare, die sich ein Kind wünschen, als Kinder, die zur Adoption freigegeben werden. Diese Tendenz besteht schon seit Jahrzehnten.

Es ist immer eine schwierige Entscheidung für die leiblichen Eltern, sich von ihrem Kind zu trennen und es anderen Menschen für immer anzuvertrauen. Die leiblichen Eltern können zwischen
mehreren Formen der Adoption wählen:

1. Inkognitoadoption

Die freigebenden Eltern erhalten Beratung und unterschreiben die Adoptionsfreigabe. Sie können Wünsche äußern in Bezug auf die zukünftigen Adoptiveltern. Es wird versucht, so weit wie möglich auf diese Wünsche einzugehen, um ihnen die Entscheidung zu erleichtern.

Freigebende Eltern verzichten darauf, den Namen und die Wohnadresse des Kindes zu erfahren, erhalten jedoch nach Wunsch Eckdaten der Adoptiveltern (z. B. Alter, Beruf, Dauer der Ehe). Sie können sich zu einem späteren Zeitpunkt beim Jugendamt über das Wohlergehen und die weitere Entwicklung ihres Kindes erkundigen.

2. Offene Adoption

Bei einer offenen Adoption kommt es zum Kennenlernen der freigebenden und annehmenden Eltern und es können in weiterer Folge auch regelmäßige Besuche vereinbart werden. Das Kind lebt nach erfolgter Adoption mit den Adoptiveltern, hat jedoch die Möglichkeit, auch die leibliche Familie kennen zu lernen.
Die freigebenden Eltern haben die Möglichkeit, das Aufwachsen ihres Kindes ein wenig zu begleiten.

3. Anonyme Geburt

Sollte es leiblichen Müttern aufgrund ihrer speziellen Lebenssituation nicht möglich sein ihre Daten bekannt zu geben, so kann auch die Möglichkeit einer anonymen Geburt gewählt werden. Ohne e-card kann eine begleitete Geburt im Krankenhaus in Anspruch genommen werden. Leibliche Mütter werden im Spital gebeten über sich und ihr Leben zu erzählen und nach Möglichkeit dem Kind einen Brief zu hinterlassen. Kinder haben bei dieser Variante später keine Möglichkeit ihre leiblichen Eltern zu finden.

Weitere Informationen finden Sie hier: http://anonymegeburt.at/.

 

 

4. Babynest/Babyklappe

In Österreich ist es in acht von neun Bundesländern möglich ein Kind an einem geschützten und sicheren Ort (Babynest/Babyklappe) anonym und straffrei abzugeben. Diese Variante bietet für leibliche Eltern maximale Anonymität, bedeutet jedoch für Kinder, dass sie überhaupt keinen Zugang zu Information über ihre leiblichen Eltern haben.

Babyklappen finden Sie hier: https://www.gesundheit.gv.at/service/beratungsstellen/babyklappen-und-babynester-in-oesterreich.

 

Zeitlicher Ablauf einer Adoption

Grundsätzlich kann vor der Geburt nichts endgültig entschieden werden, weil die leiblichen Eltern ihr Kind eventuell doch noch behalten wollen, wenn es geboren ist. Manche zunächst zur Freigabe entschlossene Mütter überlegen es sich dann doch noch einmal.

In Wien können die Eltern entweder bei der zuständigen Sozialarbeiterin der MAG ELF (Referat für Adoptiv- und Pflegekinder) oder bei unserem Verein „Eltern für Kinder Österreich“ Beratung, Information und Begleitung im gesamten Verlauf der Entscheidungsfindung und Durchführung der Adoption erhalten.
Die Adoptivwerber*innen bereiten sich im Rahmen der Ausbildung auf die Adoption vor und beantragen eine Eignungsfeststellung.

Nachdem es wesentlich mehr Adoptivwerber*innen gibt als Kinder, die zur Adoption freigegeben werden, ensteht meist eine beträchtliche Wartezeit. Wenn Adoptivwerber*innen ausgewählt werden, Eltern eines bestimmten Kindes zu werden, bekommen sie einen Anruf vom Referat für Adoptiv- und Pflegeeltern.

Die ausgewählten Adoptiveltern haben bei einem Neugeborenen dann meist einen Tag und eine Nacht Zeit, ihre Entscheidung zu treffen und können das Kind, so es sein Gesundheitszustand zulässt, bereits wenige Tage nach der Geburt aus dem Spital übernehmen.

Erst viele Monate später wird die Adoption durch einen richterlichen Beschluss gültig. Diese Zeit ist wichtig, um zu sehen, wie es den Adoptiveltern mit dem Kind und dem Kind bei seinen neuen Eltern geht.
Während dieser Zeit kann es vorkommen, dass die leibliche Mutter die Adoptionsfreigabe zurücknimmt und sich doch zu einem Leben mit ihrem Kind entschließt. Möglicherweise kehrt das Kind dann zu ihr zurück, meistens jedoch bleibt es als Pflegekind in der annehmenden Familie.

Eine Adoption muss gerichtlich bewilligt werden. Nach dem Gesetz muss auch der Vater des Kindes, sofern er bekannt ist bzw. die Vaterschaft anerkannt hat, der Adoption zustimmen. Die Eltern der leiblichen Mutter können nicht über den Willen der Mutter hinweg die Adoption veranlassen, auch wenn sie noch minderjährig ist.

Vorraussetzungen für Adoptivwerber*innen

Eine Eignungsfeststellung durch die zuständige Behörde ist Voraussetzung. Es werden ausführliche Gespräche geführt, Hausbesuche gemacht, die Wünsche des Paares und seine Belastbarkeit erfasst und eine ärztliche Untersuchung veranlasst. Erst nach positiver Beurteilung aller Fakten spricht die Behörde die Eignung aus.

Das Gesetz sieht zwar nicht vor, dass Adoptivwerber*innen verheiratet/verpartnert sein müssen, allerdings werden in der Praxis meist verheiratete/verpartnerte Paare als Eltern ausgewählt.

Das Mindestalter für Adoptiveltern beträgt 25 Jahre. Wenn zu dem Adoptivkind bereits eine Beziehung besteht, kann diese Altersgrenze unterschritten werden. Tatsächlich sind Adoptivwerber*innen aber meist wesentlich älter. Das Gesetz sieht kein Höchstalter vor, die Behörde achtet jedoch genau auf die Belastbarkeit, die Lebensenergie und die persönlichen Begabungen, die einer Eltern-Kind-Beziehung förderlich sind. In der Praxis sind Adoptiveltern bei Aufnahme eines Kindes meist unter 45 Jahren.

Wartezeit

Die Wartezeit ergibt sich durch die große Zahl an Adoptivwerber*innenpaaren und die weit geringere Zahl an zur Adoption freigegebenen Kindern. Es gibt für Adoptivwerber*innen kein Recht auf ein Kind, es gibt aber das Recht des Kindes auf Eltern.

Die Aufgabe der Vermittlungsstellen besteht darin, für jedes Kind die besten Eltern zu suchen. Das sind die Adoptivwerber*innen, die den Bedürfnissen des speziellen Kindes am besten gerecht werden können und wollen.

Die Wartezeit ist daher sehr unterschiedlich und beträgt im Durchschnitt mehrere Jahre. Diese Zeit kann zur Vorbereitung auf die Adoption genützt werden.