In Österreich gibt es viel mehr Paare, die sich ein Kind wünschen, als Kinder, die zur Adoption freigegeben werden. Diese Tendenz besteht schon seit Jahrzehnten.

Es ist immer eine schwierige Entscheidung für die leiblichen Eltern, ihr Kind anderen Menschen für immer anzuvertrauen. Es widerspricht offenbar zu sehr dem Elternbild in unserer Gesellschaft. Kein Wunder also, dass die meisten Frauen den scheinbar leichteren Weg gehen, nämlich das Kind abtreiben zu lassen.

Falls sich die Eltern aber doch zu einer Adoptionsfreigabe entschließen, können sie zwischen
drei Formen der Adoption
wählen:

1. Inkognitoadoption

Die freigebenden Eltern erhalten Eckdaten über die Adoptiveltern (z. B. Alter, Beruf, Dauer der Ehe) und haben das Recht, bei der Auswahl der Adoptiveltern mitzuentscheiden. Es wird versucht, so weit wie möglich auf die Wünsche der Eltern einzugehen, um ihnen die Entscheidung zu erleichtern.
Sie verzichten aber darauf, den Namen und die Wohnadresse des Kindes zu erfahren. Das Kind verschwindet also ganz aus dem Gesichtskreis der Eltern. Sie können sich aber auch zu späteren Zeitpunkten beim Jugendamt über das Wohlergehen und die weitere Entwicklung ihres Kindes erkundigen.

Diese Form der Adoption macht derzeit ca. zwei Drittel aller Inlandsadoptionen aus.

2. Offene Adoption

Bei einer offenen Adoption kommt es zum Kennenlernen der freigebenden und annehmenden Eltern und es können in weiterer Folge auch regelmäßige Besuche vereinbart werden. Das Kind lebt nach erfolgter Adoption mit den Adoptiveltern, hat jedoch die Möglichkeit, auch die leibliche Familie kennen zu lernen.

Die freigebenden Eltern haben die Möglichkeit, das Aufwachsen ihres Kindes ein wenig zu begleiten.

Ca. ein Drittel der freigebenden Eltern entscheiden sich für eine offene Adoption.

 

3. Halboffene Adoption

 

Bei dieser Form der Adoption wissen die Eltern nicht, wo genau sich das Kind befindet. Sie können aber über die Adoptionsbehörde mit den Adoptiveltern Kontakt knüpfen und sich mit ihnen auf neutralem Boden treffen. Oft werden auch Briefe oder Fotos ausgetauscht.

 


Zeitlicher Ablauf einer Adoption

 

Grundsätzlich sollte nichts vor der Geburt endgültig entschieden werden, weil die Eltern ihr Kind eventuell doch noch behalten wollen, wenn es geboren ist. Relativ viele zunächst zur Freigabe entschlossene Mütter überlegen es sich dann doch noch einmal. Auch den Adoptiveltern bleibt damit eine Enttäuschung erspart.

 

In Wien können die Eltern entweder bei der zuständigen Sozialarbeiterin der MAG ELF oder bei unserem Verein „Eltern für Kinder Österreich“ Beratung, Information und Begleitung im gesamten Verlauf der Entscheidungsfindung und Durchführung der Adoption erhalten. Sie legen die Form der Adoption fest, also ob sie sich eine Inkognito-, eine halboffene oder offene Adoption vorstellen können.

 

Die Adoptivwerber bereiten sich im Rahmen der Ausbildung auf die Adoption vor und beantragen eine Pflegestellenbewilligung.

 

Nachdem es wesentlich mehr AdoptivwerberInnen gibt als Kinder, die zur Adoption freigegeben werden, ensteht meist eine beträchtliche Wartezeit. Wenn AdoptivwerberInnen ausgewählt werden, Eltern eines bestimmten Kindes zu werden, bekommen sie einen Anruf vom Referat für Adoptiv- und Pflegeeltern.

 

Die ausgewählten Adoptiveltern haben bei einem Neugeborenen dann meist einen Tag und eine Nacht Zeit, ihre Entscheidung zu treffen und können das Kind, so es sein Gesundheitszustand zulässt, bereits wenige Tage nach der Geburt aus dem Spital übernehmen.

 

Erst nach einem halben Jahr in der Adoptivfamilie wird die Adoption auch rechtsgültig. Diese Zeit ist wichtig, um zu sehen, wie es den Adoptiveltern mit dem Kind und dem Kind bei seinen neuen Eltern geht.

 

Während dieser sechs Monate kann die Adoption von beiden Seiten rückgängig gemacht werden. Selten aber doch kommt es vor, dass die leibliche Mutter die Adoptionsfreigabe zurücknimmt und sich doch zu einem Leben mit ihrem Kind entschließt.

 

Die Adoption muss gerichtlich bewilligt werden. Nach dem Gesetz muss auch der Vater des Kindes, sofern er bekannt ist bzw. die Vaterschaft anerkannt hat, der Adoption zustimmen. Diese Zustimmung kann aber durch das Gericht ersetzt werden. Die Eltern der leiblichen Mutter können nicht über den Willen der Mutter hinweg die Adoption veranlassen. Ihre Zustimmung ist auch dann erforderlich, wenn sie noch minderjährig ist.

 

Vorraussetzungen für AdoptivwerberInnen

 

Eine Pflegestellenbewilligung ist Voraussetzung. Diese wird von der zuständigen Behörde ausgestellt. Es werden ausführliche Gespräche geführt, Hausbesuche gemacht, die Wünsche des Paares und seine Belastbarkeit erfasst und eine ärztliche Untersuchung veranlasst.

 

Erst nach positiver Beurteilung aller Fakten erteilt die Behörde die Pflegestellenbewilligung.
Das Gesetz sieht nicht vor, dass AdoptivwerberInnen verheiratet sein müssen. Allerdings werden in der Praxis Adoptivkinder fast ausschließlich an verheiratete Paare vermittelt.

 

Das Mindestalter für Adoptiveltern beträgt 25 Jahre. Wenn zu dem Adoptivkind bereits eine Beziehung besteht, kann diese Altersgrenze unterschritten werden. In der Praxis sind AdoptivwerberInnen meist wesentlich älter. Das Gesetz sieht kein Höchstalter vor, die Behörde achtet jedoch genau auf die Belastbarkeit, die Lebensenergie und die persönlichen Begabungen, die einer Eltern-Kind-Beziehung förderlich sind.

 

Wartezeit

 

Die Wartezeit ergibt sich durch die große Zahl an Adoptivwerberpaaren und die geringe Zahl an zur Adoption frei gegebenen Kindern. Die Aufgabe der Vermittllungsstellen besteht darin, für jedes Kind die besten Eltern zu suchen.

 

Es gibt für AdoptivwerberInnen kein Recht auf ein Kind, es gibt aber das Recht des Kindes auf Eltern.

 

Die ungefähre Wartezeit ist in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich und beträgt mehrere Jahre. Diese Zeit sollte zur Vorbereitung auf die Adoption genützt werden.

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